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„Sei doch mutig“ ist einer der am wenigsten hilfreichen Sätze, die man einem ängstlichen Kind sagen kann. Mut lässt sich nicht anordnen – aber er lässt sich erzählen, erleben und gemeinsam erfahren. Genau hier setzen Mutmachgeschichten an, und genau deshalb gehören sie zu den wirkungsvollsten Werkzeugen, die Eltern zur Hand haben.
Warum Geschichten stärker wirken als Ermahnungen
Kinder lernen nicht in erster Linie durch Erklärungen, sondern durch Identifikation. Wenn eine Figur im Buch dieselbe Angst hat wie das Kind selbst – vor der Dunkelheit, vor dem Alleinsein, vor dem Unbekannten – und diese Angst am Ende überwindet, erlebt das Kind diesen Prozess stellvertretend mit. Es ist ein sicherer Raum, um Mut auszuprobieren, ohne selbst im echten Risiko zu stehen. Genau das macht Geschichten so viel wirksamer als der gut gemeinte Zuspruch von Erwachsenen.
Was macht eine gute Mutmachgeschichte aus?
Nicht jede Geschichte mit einem mutigen Helden funktioniert gleich gut. Drei Dinge sind entscheidend:
Eine nachvollziehbare Angst. Je konkreter und alltagsnäher die Angst der Figur ist, desto leichter erkennt sich das Kind wieder.
Ein echter, kein erzwungener Weg zur Überwindung. Wenn die Angst einfach „weg ist“, wirkt das unglaubwürdig. Überzeugender ist es, wenn die Figur sich der Angst schrittweise stellt – oft mit Unterstützung von Freunden.
Aktive Beteiligung statt passives Zuhören. Geschichten, die Kinder selbst mitgestalten oder bei denen sie eine eigene Rolle einnehmen – etwa durch Mitmachelemente – bleiben deutlich länger im Gedächtnis als reines Vorlesen.
Flausi: Mut in der Dunkelheit finden
Flausi ist genau nach diesem Prinzip gebaut. Die Fledermaus Flausi hat – anders als man erwarten würde – ausgerechnet Angst vor der Dunkelheit. Als ihm eine Taschenlampe beim Spielen aus der Hand fällt, beginnt eine abenteuerliche Reise durch die Nacht, bei der Flausi neue Freunde findet und lernt, dass die Dunkelheit weniger bedrohlich ist, als sie zunächst scheint.
Das Besondere: Kinder lesen diese Geschichte nicht einfach nur, sie erleben sie mit. Das Buch ist mit Spezialfarben auf schwarzem Karton gedruckt und wird ausschließlich mit der mitgelieferten UV-Stirnlampe in völliger Dunkelheit gelesen. Das Kind hält buchstäblich das Licht selbst in der Hand – ein kleines, aber wirkungsvolles Gefühl von Kontrolle, während es gemeinsam mit Flausi die eigene Angst Seite für Seite hinter sich lässt.
Mut entsteht selten durch einen einzelnen großen Moment. Meistens ist er das Ergebnis vieler kleiner Geschichten, die einem Kind zeigen: Andere hatten dieselbe Angst – und haben sie geschafft. Das ist die eigentliche Stärke einer guten Mutmachgeschichte.
Häufige Fragen
Was ist eine Mutmachgeschichte?
Eine Geschichte, in der eine Figur eine Angst oder Herausforderung durchlebt und überwindet – so, dass sich das Kind wiedererkennt und stellvertretend miterlebt, dass Mut möglich ist.
Warum wirken Geschichten besser als Ermahnungen?
Kinder lernen vor allem durch Identifikation. Sie erleben die Lösung gemeinsam mit der Figur, statt sie nur gesagt zu bekommen – ein sicherer Raum, um Mut auszuprobieren.
Ab welchem Alter eignen sich Mutmachgeschichten?
Schon früh im Kindergartenalter, sobald Kinder in Geschichten mitfühlen und sich mit Figuren identifizieren – meist ab etwa drei Jahren.
Was macht eine gute Mutmachgeschichte aus?
Eine nachvollziehbare Angst, ein glaubwürdiger Weg zur Überwindung statt eines plötzlichen Verschwindens der Angst – und aktive Beteiligung des Kindes statt reinem Zuhören.